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Institut
für Polnische Kultur
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Andrzej
Stasiuk
'NACHT'
a.d. Polnischen von Olaf Kühl
Regie:
Robert Matejka
Prod.: DLR/NDR/SR 2005 Ursendung
Länge: ca. 60´
Öffentliche Voraufführung des Hörspiels in Anwesenheit
der SR-Hörspielredaktion.
Sendung auf SR 2 KulturRadio am
16. Oktober.
Polska Kultura
Institut für polnische Kultur
Handwerkergasse Völklinger Hütte
66333 Völklingen
Eintritt
frei
Ein
polnischer Autodieb wurde bei einem Juwelenraub in Deutschland erschossen
und diskutiert jetzt im Sarg mit seiner Seele:
„Dir
wäre es wohl lieber, dass die Seele ein Kerl wäre. Dann würdet
ihr klauen und rumfahren mit reinem Gewissen. Und er, dein „Seel“
mit Verlaub, würde sich so wie du in alle Schlitten verlieben (...)
Eine Ewigkeit würdet ihr rumkutschieren.“
„Meine
eigene Seele macht sich über mich lustig.“
„Weil
du sie verraten hast.“
„Ich
habe nur getan, was alle tun: Ich habe begehrt und meine Begierde befriedigt.
Bei uns hatten, wie du weißt, sogar die Hunde zu kurze Ketten, weil
gespart wurde. Dann bin ich dorthin gefahren und habe gesehen, dass die
Begierde keine Sünde ist, ganz im Gegenteil, wer nicht begehrt, der
ist, entschuldige, ein Arsch mit Ohren. Jawohl, ich habe gestohlen, aber
dadurch Platz gemacht für die nächsten Brillianten und Autos.“
Ein
Pole wird bei einem Juwelenraub in Deutschland erschossen, die Leiche
nach Polen überführt. Dort versammeln sich zum gemeinsamen Trauern
die Komplizen, obskure Gestalten am Rande der Gesellschaft. Wie konnte
ihr Kumpel bloß in Deutschland erschossen werden? In Russland vielleicht,
die Russen bringen einen aus reiner Langeweile um, aber die ehrenwerten
Deutschen?
Im
Innern des Sarges liegt derweil der Tote mit seiner Seele im Clinch: Ein
letztes Mal soll sie ihn am Leben teilnehmen lassen, doch seine Seele
hält ihm statt dessen eine Standpauke und eröffnet ihm, dass
sein Herz in Deutschland zu Transplantationszwecken herausoperiert wurde.
Stasiuks
Blick auf die „Ost-West-Beziehungen“ ist rabenschwarz, humorvoll,
ironisch, drastisch. Ob Autoklau oder Organhandel, beide Seiten bekommen
ihr Fett weg.
Andrzej
Stasiuk, 1960 in Warschau geboren. Schulabbruch, Desertion nach
9 Monaten Armee, Gefängnis, Sanitäter, Abitur, zieht 1986 in
die Berge. 1992 Debüt mit „Die Mauern von Hebron“, seither
elf Romane (auf Deutsch zuletzt: „Das Flugzeug aus Karton“,
04), Essays und Erzählungen. Sein erstes Theaterstück „Nacht“
entstand im Auftrag des Düsseldorfer Schauspielhauses.
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